Titel: Bluesgenuss mit geschlossenen Augen

Untertitel: Adliswil: Von San Diego ins Sihltal – mit der Gitarre im Gepäck

Lead: Der Blues-Gitarrist „Sleepy Eddie James“ aus dem sonnigen Kalifornien lebt seit gut einem Jahr in Adliswil. Am kommenden Dienstag tritt er in Zürich auf und hofft darauf, bald einmal auch im Sihltal auf der Bühne stehen zu können.

Nicole Soland

Schnell beim „Sihltaler“ vorbeizukommen – kein Problem für Eddie Sikora. Geboren in New Jersey, während vieler Jahre in San Diego, Kalifornien, zu Hause, wohnt der Musiker seit gut einem Jahr an der Wachtstrasse in Adliswil und ihn als „verschlafen“ zu bezeichnen, wäre eine bösartige Unterstellung. Dennoch nennt sich Sikora, sobald er als Blues-Gitarrist und Sänger die Bühne besteigt, „Sleepy Eddie James“. Warum also dieser Künstlername? „Dazu muss ich gleich zwei Geschichten erzählen“, lacht er: „Als ich noch in San Diego lebte, wo es einige Bars gibt, in denen lokale Bands auftreten können, stellte ich bald einmal fest, dass die Barkeeper, bei denen ich mein Interesse an einem Auftritt anmelden wollte, meinen Nachnamen erst im zweiten oder dritten Anlauf verstanden. Deshalb legte ich mir den Künstlernamen „Eddie James“ zu.“ Und weshalb „Sleepy“? „Mein Schwager meinte eines Tages, alle grossen Blues-Musiker hätten drei Namen“, erzählt Sleepy Eddie James weiter, „und damit hatte er natürlich Recht: John Lee Hooker, B. B. King, Stevie Ray Vaughan So begannen wir nach einem dritten Namen zu suchen. Schliesslich blieben wir daran hängen, dass ich, wenn ich auf der Bühne voll ins Gitarre spielen vertieft bin, jeweils die Augen schliesse und schon war mein Künstlername komplett.“

Zwischentitel: Musiker und Lehrer

Sleepy Eddie James, Jahrgang 1964, spielte und sang in San Diego in verschiedenen Bands, schrieb auch eigene Songtexte, war in der dortigen Musikszene bekannt und trat eine Zeit lang jede Woche einmal im selben Club auf. In Adliswil hingegen und auch in Zürich ist das gar nicht so einfach: Wegen seiner Musikkarriere zog er also kaum ins Sihltal. „Das stimmt schon“, meint er dazu, „doch ich war auch in den USA nur ein Jahr lang ein echter Profimusiker, ohne Nebenjob, und das war sehr hart. Hierhin zog ich wegen einer Schweizerin, meiner Frau Sabrina Schipani. Sie arbeitete sechs Jahre lang in den USA als Krankenschwester, wir lernten uns also in meiner Heimat kennen und heirateten vor drei Jahren auch dort.“ Da seine Frau sich zur Zeit am Zürcher Triemlispital zusätzlich zur Hebamme ausbilden lasse, sei Adliswil als Wohnort ideal, meint er weiter auch für ihn selbst: „Ich absolvierte in den USA die Lehrerausbildung und unterrichte nun an der Zurich International School in Wädenswil eine vierte Klasse; zudem erteile ich dort auch Gitarrenunterricht.“ Und er betont, es gefalle ihm sehr gut in Adliswil: „Ich liebe die Sihl, und auch zum Wandern ist die Gegend ideal; auf der Felsenegg beispielsweise waren wir schon oft.“

Zwischentitel: Jedem sein Spitzname

Und die Musik? „Zu einem Auftritt zu kommen, ist hier schon sehr hart“, meint Sleepy Eddie James, „am Anfang war ich richtig kribblig, weil ich kaum spielen konnte.“ Seine früheren Mitmusiker sind zudem weit weg in San Diego, und in der Schweiz musste er erst wieder eine Band zusammenstellen auch kein leichtes Unterfangen. Umso mehr freut er sich deshalb auf sein Konzert in der Blues- und Jazz-Bar „The Gig“ in Zürich vom kommenden Dienstag: „Dort spiele ich zusammen mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger“, erzählt er, „und da ich Sleepy heisse, mussten die beiden natürlich auch einen Spitznamen haben“ So tritt der Bassist Marcel Baschung, der einen guten Kopf kleiner ist als der gross gewachsene Sleepy, als „Big Cat“ auf, Drummer Markus Bürdi als „Lucky“. Zu letzterem gebe es auch noch eine Geschichte, beeilt sich Sleepy Eddie James zu erklären: „Manchmal tritt auch ein anderer Drummer mit uns auf, Pädu Ziswiler alias Smoky. Doch der ist so begehrt er spielt unter anderem bei der bekannten Schweizer Rockband Hang Loose dass er häufig keine Zeit hat für uns. Dann ist Markus ‚lucky‘, denn dann kommt er zum Zug

Zwischentitel: „Ich spiele alles, was mir gefällt“

Bevor Sleepy Eddie James in die Schweiz kam, nahm er zusammen mit seinen Musikerkollegen als „Sleepy Eddie James and the California Kings“ eine CD auf, um gewissermassen „etwas in der Hand zu haben“ am neuen Ort: „Frisky from the Whisky“ heisst das Werk, und das ebenfalls eigens gegründete Label, auf dem die CD herauskam, taufte Sleepy „Ruebli Records“. „Wie schon bei meinem Künstlernamen hatte auch hier mein Schweizer Schwager die Finger drin“, kommentiert er den etwas un-amerikanischen Namen lachend. Zu seiner Musik schliesslich weist er als erstes darauf hin, dass die Europäer in Sachen Blues die grösseren Puritaner seien als die Amerikaner: „Dass ich kein Schwarzer aus dem Süden bin, stört in Amerika niemanden was zählt, ist mein Sound.“ Und der ist abwechslungsreich: Auf seiner CD kommen verschiedene Blues-Stilarten vor; von klassischem Shuffle über swingende bis funkige Melodien ist alles drin. „Ich spiele einfach alles, was mir gefällt“, meint er zum Abschluss, „und wenn es dem Publikum auch gefällt dann bin ich glücklich.“

Infozeile: Konzert mit Sleepy Eddie James und Band am Dienstag, 22. Oktober, um 21 Uhr in der Blues- und Jazzbar The Gig, Müllerstrasse 63, 8004 Zürich.